STAATLICHE SCHULE FÜR KRANKE MÜNCHEN

Veröffentlichungen

Das Gymnasium, eine Angebotsschule auch für kranke Schüler?

Schwer kranke und chronisch kranke Schülerinnen und Schüler brauchen in unserer Gesellschaft besondere Förderung, um chancengleich mit gesunden Kindern und Jugendlichen lernen und sich in ihren Leistungen messen zu können. Dies erfordert bei den Lehrkräften als Voraussetzung ein Grundwissen über die Krankheit und Kenntnisse über die schulische Begleitung von Schülern in ihrer besonderen Lebenssituation.
Die Schule für Kranke hat sich in der Zusammenarbeit mit den Herkunftsschulen das Ziel gesetzt, Informations- und Beratungsarbeit zu übernehmen und will die Notwendigkeit dieser Aufgabe auch überprüfen.

Mit Blick auf die Schülerzahlen an der Schule für Kranke liegt der Anteil der Schüler und Schülerinnen aus dem Gymnasium bei ca. 20%.

Aus diesem Grund habe ich das Angebot der MB-Dienststelle OBB Ost, vertreten durch den leitenden OSTD Herrn Dr. Zinner, angenommen ein Referat auf der Direktorentagung im Herbst 2003 zu halten mit dem Ziel, unsere Schule vorzustellen, die Situation kranker Schüler zu beleuchten und Möglichkeiten für den Unterricht und eine schulische Begleitung aufzuzeigen.

Im Anschluss wurde von mir ein Fragebogen ausgegeben, den dankenswerterweise alle an diesem Tag anwesenden Schulleiter ausfüllten.

Die Auswertungsergebnisse zeigen sich wie folgt:

Fragebogenauswertung

Summe aller Antworten (N=64)

Bei erfolgtem Kontakt zur Schule für Kranke (N=19)
 

Die Fragen ja nein
Hatten Sie bisher wegen einer erkrankten Schülerin /eines erkrankten Schülers Kontakt zur Schule für Kranke München? 19  
Hat Ihnen das Referat bisher nicht bekannte Einblicke in die Situation kranker Schülerinnen und Schüler gewährt? 16 3
Wurden Ihnen in Bezug auf kranke Schülerinnen und Schüler neue wesentliche Informationen gegeben über    
Die Erkrankung 11 6
Die psychosoziale Belastung 10 7
Die schulische Begleitung 11 6
Erachten Sie eine Fortbildung dieser Art auch für Ihr Kollegium als wünschenswert? 16 3
Wünschen Sie bei Bedarf eine spezielle Fortbildung (Info-veranstaltung) zu einem aktuellen Krankheitsbild, z.B. Magersucht, durch ein päd. /med./therapeut. Team? 16 3
Würden Sie in Zukunft in Fragen des Unterrichts bei Krankheit eine Beratung durch die Schule für Kranke in Anspruch nehmen? 19  

 

Bisher kein Kontakt zur Schule für Kranke (N=45)
 

Die Fragen ja nein
Hatten Sie bisher wegen einer erkrankten Schülerin /eines erkrankten Schülers Kontakt zur Schule für Kranke München?   45
Hat Ihnen das Referat bisher nicht bekannte Einblicke in die Situation kranker Schülerinnen und Schüler gewährt? 40 3
Wurden Ihnen in Bezug auf kranke Schülerinnen und Schüler neue wesentliche Informationen gegeben über    
Die Erkrankung 28 11
Die psychosoziale Belastung 32 9
Die schulische Begleitung 40 3
Erachten Sie eine Fortbildung dieser Art auch für Ihr Kollegium als wünschenswert? 31 10
Wünschen Sie bei Bedarf eine spezielle Fortbildung (Info-veranstaltung) zu einem aktuellen Krankheitsbild, z.B. Magersucht, durch ein päd. /med./therapeut. Team? 39 5
Würden Sie in Zukunft in Fragen des Unterrichts bei Krankheit eine Beratung durch die Schule für Kranke in Anspruch nehmen? 44  

(Zahlendifferenzen entstanden durch nicht ausgefüllte Kästchen)

Beschreibung:

Von 64 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten 19 (= 30%) Direktoren bisher Kontakt mit der Schule für Kranke, 45 (= 70%) Anwesende kannten unsere Schuleinrichtung noch nicht oder hatten bisher noch keinen Kontakt.

Obwohl die erste Gruppe wegen erkrankter Schüler bereits mit unserer Schule in Verbindung getreten war, ist es auffallend, dass trotzdem 84% dieser Befragungsgruppe durch den Vortrag bisher nicht gekannte Einblicke über die Situation kranker Schüler erhielt, aus der Gruppe der neu über unsere Schule Informierten waren es 89%.

Wesentliche Informationen erhielten in der ersten Gruppe: über die Erkrankung 58%, über die psychosozialen Belastungsfaktoren 53%, über die schulische Begleitung 58%. Im Vergleich dazu erhielten 62% der Teilnehmer ohne bisherigen Kontakt zu unserer Schule spezielle Informationen über die Erkrankungen, 71% über die psychosozialen Belastungen und 89% über die schulische Begleitung.

Von den Schulleitungen der ersten Gruppe wünschten 84%, in der Vergleichsgruppe 67%, auch für ihr Kollegium eine Fortbildung oder erachteten bei Erkrankung eines Schülers eine spezielle Fortbildung durch ein multiprofessionelles Team aus Krankenhauslehrerin, Arzt, Therapeut, (in der ersten Gruppe 84%, in der Vergleichsgruppe 86%) als wünschenswert. Besonderer Fortbildungsbedarf besteht bei den Krankheitsbildern Anorexie, Bulimie und Diabetes.

Alle Schulleiter (100%) würden in Zukunft in Fragen des Unterrichts bei Krankheit eine Beratung durch die Schule für Kranke in Anspruch nehmen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Fortbildungs- bzw. Beratungsbedarf bei Erkrankungen im Schulalter in beiden Gruppen sehr hoch ist, ebenso ist die Unsicherheit im Umgang mit der Krankheit und der entsprechenden schulischen Begleitung bei Krankheit sehr groß.

Die Anmerkungen zum Referat (sehr häufig Dank für Information, für die Ermutigung, sich den betroffenen Schülern und Familien mehr zuzuwenden, sensibel für das Leben der Kranken mit ihren Problemen geworden zu sein usw.) zeigen deutlich, dass gerade im Fall einer Erkrankung eine enge Zusammenarbeit zwischen den Schulen herbeigeführt, Hintergrundswissen ausgetauscht und Unterrichtskonzepte erarbeitet werden müssen, denn viele Kollegen sehen die Notwendigkeit eines sonderpädagogischen Auftrags (BayEUG §2 für alle Schularten !), wissen aber nicht, wie sie den betroffenen Schülern am besten helfen können.

Die Schule für Kranke als eigenständige Schulform kann diesen Beratungswunsch der Partnerschulen erfüllen und bietet einen entsprechenden Beratungsdienst für Pädagogik bei Krankheit an.

Ein Ausbau der Schule für Kranke im Sinne eines Unterrichts- und Beratungszentrums würde den Bedürfnissen der Schulen und den Empfehlungen des Staatsministeriums entsprechen.

Lisa Meixner-Mücke
Staatliche Schule für Kranke München
Haus 22, Kölner Platz 1,
80804 München
Tel.089-3068-3978
Fax 089-3068-3977