STAATLICHE SCHULE FÜR KRANKE MÜNCHEN

Unterricht

Unterricht in der Psychosomatik – immer mehr gefragt

Kinderbild Unterricht: Grossansicht mit klickAn mehreren Kliniken in München werden Kinder und Jugendliche mit psychosomatischen Erkrankungen in Gruppen unterrichtet. Sie werden tagsüber und nachts von Sonntag Abend bis Samstag Vormittag auf den entsprechenden Stationen betreut und sind teilweise am Wochenende bei ihren Familien. In der Woche gehen sie vormittags in die Klinikschule und bekommen dort individuellen Unterricht in ihrer jeweiligen Schulart und Klassenstufe. Die Kinder und Jugendlichen sind zwischen 6 und 18 Jahre alt und kommen aus den verschiedensten Schulen in Bayern.

Vorrangiges Ziel des Unterrichts im Krankenhaus ist es, den Schülern nach der Entlassung die Wiedereingliederung in ihre Heimatschulklasse zu erleichtern. Der Klassenlehrer der Klinikklasse versucht, inhaltlich die Kernfächer der verschiedenen Schularten, soweit es geht, abzudecken. Fachunterricht wird bei Kindern und Jugendlichen aus weiterführenden Schulen dann von entsprechenden Fachlehrern übernommen.

Im Unterricht geht es neben den vielfältigen Unterrichtsinhalten der verschiedensten Klassen und Schularten immer auch darum, aus den Kindern der jeweiligen psychosomatischen Station eine Lerngruppe zu machen. Das ist eine ständig neue Aufgabe, denn die Kinder kommen oft mit den verschiedensten Lern- aber auch Verhaltens- und Integrationsproblemen in die Klinikklasse. Der jeweilige Klassenlehrer überlegt sich nach Möglichkeit jeden Tag für seine Schüler auch ein gemeinsames Gruppenthema z. B. aus dem kreativen Bereich, aus den Sachfächern oder ein Thema zur »Selbsterfahrung«. Diesem Ziel dienen oft auch gemeinschaftliche projektorientierte Arbeiten. Dabei wird jedem Schüler entsprechend seinem Lern- und Entwicklungsstand und dem Grad seiner psychischen Belastung die Möglichkeit gegeben, zum Entstehen einer gemeinsamen Arbeit beizutragen. Jedes Kind bekommt zudem jeden Tag in zwei Fächern Hausaufgaben auf, die in der festgelegten Hausaufgabenzeit auf der Station erledigt und am nächsten Tag kontrolliert werden.

Die Klassenlehrer halten auch engen Kontakt zu den Ärzten, Therapeuten und Schwestern der psychosomatischen Stationen. Das Personal auf der psychosomatischen Station versteht sich als »Großfamilie«, in der sich die stationär aufgenommenen Kinder für die Zeit ihres Aufenthaltes geborgen fühlen dürfen. Das erfordert viel formellen (und informellen) Austausch im Team, aber auch gemeinsame Fall- und Teamsupervisionen.

Die Lehrer der Klinikklassen auf den psychosomatischen Stationen halten Kontakt zu den jeweiligen Klassenlehrern (ggf. auch den Fachlehrern) der Schüler in ihren Heimatschulen, denn der Aufenthalt in der Klinik ist zeitlich eng begrenzt. So kann der jeweilige Schüler möglichst nah am Stoff der Heimatklasse unterrichtet werden, je nach seinen aktuellen psychischen Möglichkeiten gleichen oder analogen Stoff bearbeiten und häufig sogar Proben mitschreiben. Die Kinder der Station sollen durch den Klinikaufenthalt psychisch so weit stabilisiert werden, dass sie bei ihrer Rückkehr nach Möglichkeit wieder in ihre »alte« Klasse gehen können. Manchmal ist dies aus verschiedenen Gründen nicht möglich, dann müssen andere Möglichkeiten erwogen, der Schüler und seine Eltern beraten und manchmal ein Schulwechsel angebahnt werden. Die Eltern der stationär aufgenommenen Kinder kommen meist einmal (oder mehrmals) während des Klinikaufenthaltes ihrer Kinder zum entsprechenden Klassenlehrer in die Sprechstunde, um sich über ihr Kind zu informieren. Oft sind Kliniklehrer auch in »round table«– Gesprächen mit den Eltern, dem Psychologen, der Klassenlehrerin und/oder einem Vertreter des Jugendamtes dabei. Gelegentlich wird auch eine Schule oder Einrichtung, in die ein Kind kommen soll, vor Ort besichtigt.

Am Ende des jeweiligen Klinikaufenthaltes wird für jedes Kind ein Bericht verfasst, der das Lern-, Sozial- und Arbeitsverhalten des jeweiligen Schülers während des Klinikaufenthaltes beschreibt. Ebenso hält er die Leistungen in den jeweiligen Fächern und einen Überblick über den durchgenommenen Stoff fest. Zudem wird ggf. eine Empfehlung für die weitere Schullaufbahn des Schülers gegeben.

Monika Hesse
Lehrerin, Schulpsychologin
Wanda Simon
Sonderschullehrerin
Staatliche Schule für Kranke München
Kölner Platz 1, Haus 22, 80804 München