STAATLICHE SCHULE FÜR KRANKE MÜNCHEN

Lebenssituation
Psychosoziale Belastungen chronisch kranker Kinder und Jugendlicher
1. Alltagsbewältigung, soziale Rollen und Bindungen
- Abstimmung des Alltagslebens mit der Erkrankung (Vermeidung spezieller
Risiken, z.B. verletzungsgefährdende Sportarten beim hämophilen Kind).
- Notwendigkeit eines angemessenen Gesundheitsverhaltens (z.B. Diät).
- Notwendigkeit eines angemessenen Patientenverhaltens (Mitarbeit am Behandlungsplan).
- Übernahme der Krankenrolle und Auseinandersetzung mit den daran geknüpften
Erwartungen.
- Sonderrolle in der Familie (erhöhte Abhängigkeit, eventuelle Pflegebedürftigkeit).
2. Krankenhausaufenthalte
- Trennung von den Bezugspersonen (Familie, Schulkameraden, Verwandte,
etc.).
- Auseinandersetzung mit der Klinikumgebung und dem Klinikpersonal.
- Problematische Beziehungen zu den Geschwistern (Rivalität, Neid).
3. Belastungen und Beeinträchtigungen der körperlichen Unversehrtheit
- Vitale Abhängigkeit von medizinischen Apparaturen.
- Regelmäßige, mit Unsicherheit behaftete Kontrolluntersuchungen.
- Eventuelle gravierende verstümmelnde Operationen, Amputationen.
- Schmerzen und Ängste aufgrund diagnostischer und therapeutischer Behandlungsprozeduren
(Spritzen, Infusionen, Punktionen, Spiegelungen etc.).
- Belastende Nebenwirkungen von Medikamenten, Bestrahlungen etc.
- Krankheitsbedingte Schmerzen, Unwohlsein, Mattigkeit etc.
4. Identitätsentwicklung und Zukunftsperspektive
- Auseinanderklaffen der motorischen, intellektuellen, emotionalen und
sozialen Entwicklung.
- Belastung durch die Gewissheit, lebenslänglich krank zu sein bzw. Ungewissheit
über den weiteren Verlauf - somit eine verringerte Planbarkeit der Zukunft.
- Einschränkungen der schulischen und beruflichen Perspektive.
objektiv: krankheitsbedingte Begrenzung der Leistungsfähigkeit
subjektiv: realistische Wahrnehmung sowohl eigener Kompetenzen wie Schwächen.
- Jugendliche können sich schwerer von den Eltern lösen.
- Abkehr von gefassten Zukunftsplänen und Notwendigkeit einer realitätsgerechten
Umorientierung.
- Erkennen von zukünftigen Problemen hinsichtlich einer späteren Partnerschaft.
- Krankheits- und therapiebedingte Behinderungen.
5. Selbstbild und Selbstwert
- Auseinandersetzung mit einem veränderten Körperbild.
- Erleben von "Organminderwertigkeit".
- Angst vor öffentlichem Kontrollverlust (infolge von Anfällen, Schockzuständen
etc.).
- Erleben eines eingeschränkten Aktionsradius, demzufolge Gefühle von
Hilflosigkeit, Abhängigkeit und "anderen zur Last fallen".
- Schamgefühl über die chronische Erkrankung.
- Stigmatisierung als Behinderter.
- Verändertes Kommunikationsverhalten aufgrund von Selbstabwertungen.
- Minderwertigkeitsgefühle im Rahmen der sexuellen Entwicklung (besonders
in der Pubertät).
6. Existentielle Konfrontation mit Krankheit und Tod
- Frage nach Gründen der Erkrankung. Eventuell resultierende Schuldgefühle
und Verbitterung.
- Frage nach dem individuellen Sinn/der Bedeutung der Krankheit.
- Konfrontation mit der eigenen Begrenztheit (durch die Erkrankung) und
der eigenen Endlichkeit (durch den Tod) in einem ungewöhnlich frühen Lebensabschnitt.
- Bedrohung durch die Möglichkeit zu sterben.
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