STAATLICHE SCHULE FÜR KRANKE MÜNCHEN

Besondere Ereignisse

Kolloquium
Schule für Kranke zwischen gestern und morgen

Grußwort von
Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner

Aus Anlass der Verabschiedung von
Frau Ursula Gantenberg

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
sehr geehrte liebe Frau Gantenberg, Herr Gantenberg,

ich möchte mich zuerst recht herzlich bedanken, dass ich heute auch die Gelegenheit haben darf, ein paar Worte, leider des Abschieds, zu Ihnen zu sprechen.

Ich hätte es mir und meinem Büro nie verziehen, wenn es nicht möglich gemacht worden wäre, nachdem ich Sie in den letzten Jahren intensiver kennen gelernt habe in Ihrem Engagement, Ihrem Einsatz, mit Ihrer ganzen Kraft, Ihrer ganzen Persönlichkeit, war es mir wirklich ein Anliegen.

Sie haben es gerade von Dr. Spreng gehört, beachtliche 40 Dienstjahre - ich kann es immer noch gar nicht fassen - also 40 Jahre sind wirklich schon eine lange Zeit und davon fast 25 Jahre in der staatlichen Schule für Kranke. Im Februar sind Sie offiziell in den Ruhestand getreten und damit hat nun wirklich eine außergewöhnliche Lehrerinnenlaufbahn ihr Ende gefunden und außergewöhnlich ungewöhnlich deshalb, weil man es Ihnen zugetraut hat, so haben Sie es immer berichtet, so habe ich Sie immer verstanden, und weil es Ihnen vor allem vergönnt war, zwei Neuschulen ohne Vorbild und auch ohne Vorgaben aufzubauen. Dort konnten Sie dann Ihrer pädagogischen Vorstellungen und später vor allem auch Ihre große Erfahrung einbringen und verwirklichen.

Schon im Alter von 28 Jahren erhielten Sie im Jahre 1969 den Auftrag, die Schule der Pfennigparade e. V. in München aufzubauen, die sich der Unterrichtung von Kohntagahnkindern und Schwerstbehinderten gewidmet hat. Von 1975 bis 1980 hatten Sie auch an der Stiftungsfachhochschule München, das möchte ich hier auch nicht unerwähnt lassen, einen Lehrauftrag Sozialpädagogik. Also die Spannbreite Ihrer Fähigkeiten ist wirklich sehr beachtlich. Im Schuljahr 1980/1981 nahmen Sie dann den Aufbau der Schule für Kranke in Angriff und nach deren Gründung 1984 waren Sie dann bis zum 18. Februar diesen Jahres deren erste Leiterin. Und diesen Berufsabschnitt, den ich ja teilweise persönlich miterlebt habe, dem möchte ich mich jetzt noch ein kleines bisschen zuwenden.

Antrieb wie auch Mittelpunkt Ihrer Arbeit war die Überzeugung, dass die Gesellschaft, wir alle, die Pflicht haben, auch kranke und benachteiligte Kinder und Jugendliche zu unterstütze und ihnen gleich gute Bildungschancen zu bieten. Es war gewiss keine leichte Aufgabe, eine pädagogische Einrichtung in den hierarisch gegliederten, medizinischen Institutionen zu etablieren. Da gab es Raumnot überall. Es gab weder feste Unterrichtszeiten noch geeignete Unterrichtsmaterialien. Die Lehrkräfte mussten Allroundkönner sein, um alle Fächer in allen Schularten und in allen Altersstufen zu unterrichten. Inzwischen unterrichten an der staatlichen Schule für Kranke im Soll-Stärke 24 Lehrkräfte von Sonderschullehrerinnen über Lehrkräfte für Volks- und Realschule bis hin zu Gymnasiallehrerinnen. Insgesamt werden 1.600 Kinder pro Jahr unterrichtet. In den 10 von der Schule erfassten Kliniken, und da kommen wir jetzt von der Stadt München - Schulreferat - ins Spiel, wir sind ja Sachaufwandsträger dieser staatlichen Schule für Kranke, haben wir modern eingerichtete Klassenzimmer geschaffen und ich hoffe, Sie können einigermaßen damit arbeiten.

Für den Unterricht am Krankenbett hat die Landeshauptstadt München 1998 das Modellprojekt »Rollende Klassenzimmer« finanziert.

Hier wurden von der städtischen Meisterschule für Schreinerhandwerk, natürlich zusammen mit der Schule für Kranke, Frau Gantenberg war auch bei diesem Projekt Motor und permanent involviert, eigens für die Schule für Kranke fahrbare Möbel entwickelt.

Ich erinnere mich noch, diese waren auch auf einer Handwerksmesse ausgestellt. Es entstanden ein Elefant oder auch ein Objekt dieses Schulhauses, ein Turm, fahrbar und ausgestattet mit den Unterrichtsmaterialien, mit denen die Lehrkräfte jeweils in die Klassenzimmer hineinfahren können. Auch mit Laptops sind diese inzwischen ausgestattet.

Für diese Idee und vor allem auch für die Umsetzung wurde der Schule der »Staatspreis für besondere Innovationen« verliehen und das ist schon etwas. Das diese Schule in besonderer Weise innovativ ist, durfte ich auch bei der Verwirklichung des Projektes »Digitales Klassenzimmer am Krankenbett« feststellen, dass im Dezember 1999 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Als Ergänzung des Unterrichtsangebotes können seither mit modernster Videokonferenzschaltung und Übertragungstechnik kranke Kinder und Jugendliche live an regulären Unterrichtseinheiten in einem Klassenverband in zwei Partnerschulen teilnehmen. Das heißt also, dass kranke Kinder aktiv in allen Fächern, vor allem auch in den Naturwissenschaften Physik und Chemie, mitmachen können. Für die gesunden Kinder hat es auch einen Vorteil: dieses Projekt bedeutet für die gesunden Kinder in den Partnerschulen soziales Lernen, dadurch das Einsicht, Verständnis und auch Rücksicht auf die kranken Mitschüler und Mitschülerinnen genommen werden. Dies hat wirklich eine vielfache Wirkung. Die Kosten für dieses Projekt, das können Sie sich ja denken, waren sehr hoch. Wir haben dieses auch als Landeshauptstadt München nicht alleine schultern müssen, sondern es gab Sponsoren und auch Mittel aus einer Stiftung sind mit eingeflossen. Dem verständlichen Wunsch der Schule für Kranke nach einem weiteren Ausbau des digitalen Unterrichts, aber vor allem auch im Bereich des Hausunterrichts, habe ich Verständnis und wir versuchen auch im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten dies weiter zu unterstützen.

Die Zahl chronisch kranker Schüler und Schülerinnen steigt ständig, und diese Personengruppe wird natürlich auch in Zukunft große Aufmerksamkeit erfordern. Besondere pädagogische Forderungen, Beratung und Integrationsmaßnahmen bei Krankheit sind die Voraussetzung dafür, das kranke Kinder und Jugendliche gleiche Bildungschancen haben wie ihre gesunden Mitschüler und Mitschülerinnen und es ist mir als Stadtschulrätin ein besonderes Anliegen, die staatliche Schule für Kranke in München, mit ihren vielfältigen schwierigen Aufgaben und vor allem auch mit ihren engagierten Lehrkräften, weiterhin zu unterstützen und zu fördern.

Frau Gantenberg, dies verspreche ich sozusagen auch für die Zeit nach Ihnen. Ich denke wir können wirklich mit Stolz auf diese Einrichtung der staatlichen Schule für Kranke blicken. An Sie, liebe Frau Gantenberg, möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön richten für Ihr riesiges Engagement, das Sie eingebracht haben zum Wohl der Kinder und Jugendlichen hier in München. Ich glaube dafür war die Verleihung der Medaille »München leuchtet« im letzten Jahr schon auch ein Nachweis dafür, das die Landeshauptstadt München dieses Engagement würdigt und schätzt.

Ich darf Ihnen und Ihrem lieben Mann für Ihren, wie sagt man so schön, Unruhestand, das ist bei Ihnen denke ich auch zutreffend, alles Gute wünschen, vor allem viel Gesundheit, aber auch noch recht viel Lebensfreude.

Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner, Landeshauptstadt München

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