Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Frau Gantenberg,
im Oktober des vergangenen Jahres hatte ich die ehrenvolle Aufgabe, Ihnen die Dankurkunde des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus und der Regierung von Oberbayern anlässlich Ihres Dienstjubiläums zu überreichen. In der Feierstunde äußerten Sie, dass Sie in den Ruhestand gehen wollen. So musste ich Ihnen am 18. Februar wieder eine Urkunde überreichen. Bei diesem Anlass habe ich keine Rede gehalten, diese halte ich heute.
Ich weiß, dass Ihnen dieser Schritt, liebe Frau Gantenberg, nicht leicht gefallen ist. Sie gehören nicht zu den gestressten, ausgebrannten Menschen, die das Ende ihrer beruflichen Tätigkeit herbeisehnen und in den Ruhestand gehen wollen. Nein, liebe Frau Gantenberg, Sie haben während Ihrer ganzen beruflichen Laufbahn immer die besondere Herausforderung gesucht, eben die sonderpädagogische, und mit viel Energie verfolgt.
Schon vor dem Studium an der pädagogischen Hochschule und der Prüfung für das Lehramt an Volkshochschulen studierten Sie am Friedrich-Meinhart-Institut und waren damit staatlich anerkannte Heilpädagogin. Nach dem Studium an der pädagogischen Hochschule wollten Sie den Vorbereitungsdienst des heutigen Referendariat Bayern an einer Förderschule, damals Sonderschule, realisieren. Das war in Bayern nicht möglich, deshalb sind Sie kurz entschlossen nach Berlin gegangen. Und erst danach besuchten Sie damals das Staatsinstitut zur Ausbildung von Sonderschullehrern hier in München.
Welche Herausforderung suchten Sie nun danach als Sonderschullehrerin?
Es war Ende der 60iger Jahre, das Gesetz zur Errichtung von Sonderschulen war erst einige Jahre alt und das Sonderschulwesen in den Anfängen. Und auch hier gehörten Sie zu den Pionieren, die einige dieser Schulen mit aufgebaut und geleitet haben, wie die Schule für Körperbehinderte an der Pfennigparade hier in München. Und es ist aus heutiger Sicht gut nachzuvollziehen, dass Sie den Schritt von der Arbeit mit körperbehinderten Kindern hin zur schulischen Förderung von kranken Kindern vollzogen haben.
Im Mai des vergangenen Jahres konnten die Münchner Schulen für Kranke ihr 20jähriges Bestehen feiern. Viele von Ihnen waren bei dieser Feier anwesend.
Ich muss Ihnen nicht sagen, dass diese beeindruckende Feier eigentlich eine Feier für Sie war, liebe Frau Gantenberg. Sie haben diese Schule aufgebaut und waren und sind bis heute der Motor für den stetigen Ausbau und Weiterentwicklung der Schule für Kranke hier in München, aber auch darüber hinaus für die Schulen für Kranke hier in Deutschland. Ich konnte auf vielen Kongressen in der Bundesrepublik erfahren, dass Ihr Name tatsächlich nicht nur mit dieser Schule in Verbindung gebracht wird sondern mit der Schule für Kranke überhaupt und mit der Pädagogik bei Krankheit. Sie waren Referentin für Krankenpädagogik im Landesverband Bayern der VDS und außerdem Mitglied bei HOPE, einem europäischen Verband. Von den vielen Fortbildungen die Sie gehalten und besucht haben, muss ich gar nicht sprechen.
Liebe Frau Gantenberg, Sie können stolz sein auf das, was Sie in den 40 Jahren erreicht haben. Aber genau das, nämlich der Stolz, passt nicht zu Ihnen.
Was ich an Ihnen besonders geschätzt habe war die Erfahrung, dass Sie sich trotz der Erfolge nicht zufrieden zurücklehnten, sondern erkannt haben, dass sich eine Schule weiterentwickeln muss, auch die Schule für Kranke in München und überall und Sie haben dieses Anliegen auch dadurch realisiert, indem Sie externe Bewerber eingeladen haben, die immer noch dabei sind, Ihnen bei diesem Prozess zu helfen. Schule für Kranke zwischen gestern und morgen.
Ich darf Ihnen, sehr verehrte Gäste, verraten, dass die Form eines Kolloquiums als Abschiedsveranstaltung die Idee und der Wunsch von Frau Gantenberg waren. Dahinter steht für mich der Gedanke und das Anliegen nicht auf dem Erreichten, dem Heute, sondern im Gespräch und der Auseinandersetzung mit anderen nach neuen Wegen suchen, dem Morgen. Am heutigen Tage, also gewissermaßen zwischen gestern und heute, noch nicht zu wissen, wohin die Entwicklung führen wird, dürfte für Sie, liebe Frau Gantenberg, schon auch mit einer gewissen Sorge erfüllt sein. Ich denke aber, dass das Erreichen dieses Kolloquiums Ihre Kolleginnen, die anwesenden Vertreter der Klinik und nicht zuletzt Ihre Wegbegleiter, mit denen Sie die Konzeption dieser Schule entwickelt haben und die Sie heute hierher eingeladen haben, Gewähr dafür bieten, dass Sie hinsichtlich der Weiterentwicklung der Schule für Kranke zuversichtlich sein dürfen.
Liebe Frau Gantenberg, nun beginnt für Sie ein neuer Lebensabschnitt. Ich weiß, das Sie jetzt das Münchner Leben noch intensiver genießen können als bisher und ich weiß auch, das Ihrer Reiselust durch die fernen Zeitgrenzen keine Grenzen mehr gesetzt sind.
Damit Sie auf Ihren Reisen immer den richtigen Weg finden, habe ich für Sie ein kleines Geschenk ausgesucht, dass ich Ihnen geben möchte, nämlich einen Reiseführer.
Aber einen Reiseführer, der Sie auch daran erinnern soll, woher Sie kommen und an die Arbeit mit Kindern. Es handelt sich um »Kasimirs Weltreise«.
Dr. Hans Spreng, Regierungsschuldirektor
Zur Rede von Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner
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